500 Meter gute Laune am Stück

Phantasie, lokale Themen und Artenvielfalt: Gaudiwurm begeistert und unterhält mit bunter Vielfalt

 

Von Hans Steininger

 

Das Bienensterben ist kein Thema in Reichertshausen, zumindest nicht beim Gaudiwurm des OCV Steinkirchen. Denn Bienen gab es dort zuhauf - kesse Bienen vor allem. Und das Thema „Artenvielfalt“ fand beim Burschenverein Steinkirchen in persiflierter Form statt: „Volksbegehren Bauernvielfalt“ und „Stoppt das Bauernsterben!“ war auf Plakaten zu lesen, die ihren Faschingswagen schmückten.

 

Deren Motto waren Bienen und Blüten, unter denen stand „Wir pflastern unsere Gärten zu, und schieben die Schuld den Bauern in die Schuh“. Dem Ruf nach mehr Grün trug auch der Burschenverein Freinhausen auf seinem Gaudiwagen Rechnung: „Mehr Grün, weniger Grau, heute saufen wir uns blau“ lautete der Wahlspruch. Sollte genau das tatsächlich eingetroffen sein, dann war das ein Fall für Tobias Winkelmeier, den Präsidenten des ausrichtenden OCV, und für Chef-Organisator Konrad Moll. Beide benutzten ein Radl als Fortbewegungsmittel und umkreisten den Faschingszug wie Hirtenhunde ihre Herde. „Falls ein Betrunkener auffällt, tun wir den zusammen mit der Security auf die Seite, damit ihn ein Sanka abholt“ erklärte Moll, „und wir sorgen für Ordnung im Zug, damit dieser ein ordentliches Bild abgibt“. Angeführt wurde er vom Prinzenpaar Carina I. und Johannes II. in einem Cabrio, aus dem sie ihren Untertanen huldvoll zuwinkten. Gefolgt von der Garde, die zumindest anfangs zu Fuß marschierte und den „OCV-Gardezug“ mit seinen zwei Anhängern verschmähte.

Rund 500 Meter lang war der Zug zu Beginn, neun Gaudiwägen, 60 Fußgruppen und insgesamt 1050 Aktive waren daran beteiligt. Da erklang Marschmusik von der Jugendblaskapelle Reichertshausen, von den Gaudiwägen herab malträtierte der Beat abgrundtiefer Bässe das Zwerchfell und die Membranen der Lautsprecher wurden mit irrwitzigen Wattzahlen befeuert.

Aber das gehört dazu, denn leise kann bekanntlich jeder. Das tat der Gaudi keinen Abbruch, die Zuschauer standen zuhauf Spalier, meist kostümiert, gut gelaunt und traten in den Wettbewerb mit den vielen Kindern am Straßenrand beim Einsammeln der Bonbons, die von den Fußgruppen oder von den Wagen herabregneten. Im Fokus der Narren stand auch der neue Edeka-Markt über dem Reichertshausener Kreisel. Eine Gruppe im Pharaonen-Look nahm den „Pyramidenbau der TutenchEdeka“ am Kreisel aufs Korn: „Pyramidenbau am Kreisverkehr, wir bringen noch die Mumie her“, stand auf einem Schild am Leiterwagerl, das eine Mumie zierte. Natürlich fehlte auch die „Fanni“ nicht, das alte Dorfwirtshaus in Pischelsdorf, das wieder zum Leben erweckt werden soll. „Der Wirtshaustod zieht durch Dorf und Land, doch Pischelsdorf hat ihn bald verbannt“ stand auf dem Gaudiwagen der Pischelsdorfer FFW. Absoluter Blickfang aber war dieses Jahr ein schwarzes, sogar mit Kanonen bestücktes Piratenschiff nach dem Motto „Fluch der Karibik“. Auf dem Rumpf der „Black Pearl“ stand zu lesen: „Diesel ade, wir fahren mit Windkraft auf See“. Allerdings mit begrenztem Radius, denn nach wenigen Kilometern lief das Piratenschiff auf Grund und musste abgeschleppt werden. Dafür konnten sich die Zuschauer mit der Nachricht von einer „Nippel-Alm“ trösten, die verkündete ein projektiertes Skigebiet mit Abfahrten nach Ilmried und Ilmmünster zu schaffen. Die Planung übernahmen die Burschen aus beiden Gemeinden. Von einer Kabinenbahn wurde allerdings abgesehen. Ein Sessellift müsse reichen, war zu hören.

Vielfältig wirkten die Bilder des Fußvolks, das sich zwischen den Mottowagen per Pedes auf die rund sechs Kilometer lange Strecke machte. Da fanden sich Imker und Bienen, Schotten im Kilt, eine Damengruppe wie aus dem Musical „Mary Poppins“, etliche Wikinger, Formel 1-Grid Girls, eine Bärengruppe wie frisch aus dem Dschungelbuch, gruppenweise rote Teufelchen und grüne Laubfrösche sowie viele Phantasiekostüme mehr. Ein buntes Kaleidoskop war das, was an den Zuschauern vorbeizog, gut gelaunt und hilfsbereit. Da wurden einer alten Frau im Rollstuhl extra Bonbons überreicht, oder quer durch die Botanik einem Zuschauertrio, das sich weitab vom Zug auf einem Dach einen Logenplatz geschaffen hatte. Gesten am Rande, die nicht närrisch, sondern einfach nur sehr nett waren. Mittendrin aber kreuzte das Traumschiff der Faschingsfreunde Klein-Gurnöbach über die Dorfstraßen: Die „MS Silbereisen“, mit einem ganzen Rudel von Kapitänen an Bord. Bleibt abzuwarten, ob ihr das Schicksal der „Titanic“ blüht. Der 52. Gaudiwurm in der Geschichte des OCV bildete den Höhepunkt einer Faschingssaison im Landkreis Süden, die mit der Inthronisation am 04. Januar ihren Anfang genommen hatte.

 

Mit freundlicher Genehmigung des Pfaffenhofener Kurier

 

 

 

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Fotos: Hans Steininger

 

 

 

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