Ilmtal-Halle bebt beim Konzert der Ersten Allgemeinen Verunsicherung

Ilmtal-Halle bebt beim Konzert der Ersten Allgemeinen Verunsicherung

 

Von Hans Steininger

 

 

Das hat die Ilmtalhalle bisher noch nie erlebt: Eine gigantische Show voller Rock- und Popmusik in Reinkultur hat 1100 Fans jeden Alters schlichtweg begeistert. Ernstes und Heiteres, Satire und Klamauk, harter Beat und sanfte Balladen kennzeichneten ein Konzert, das mehr war als nur Musik.

 

Das ließ schon das Bühnenbild erwarten, das die Roadies der Ersten Allgemeinen Verunsicherung EAV über Nacht in die Ilmtalhalle gezaubert hatten: Links und rechts auf der Showbühne barock anmutende Balkone für Drummer Aaron Thier und Keyboarder Franz Kreiner, eine Showtreppe, ein riesiger Vorhang für die Hintergrund-Deko und alles ins rechte Licht gesetzt durch optische Effekte mit Hilfe modernster Lichttechnik. Dazu der brachiale Sound aus unzähligen Boxen, die von den Traversen hoch über dem Publikum harte Gitarrenriffs und wummernde Bässe in die Halle drücken, bis das Zwerchfell vibriert.

Auf ein 40-jähriges Bühnenjubiläum blickt die Band zurück, und zwangsläufig sind die beiden Gründungsmitglieder und Kreativköpfe der Band in die Jahre gekommen: Frontman Klaus Eberhartinger (68) und Sologitarrist Thomas Spitzer (65) sind längst zu Musiklegenden geworden, aber auf der Bühne präsent wie eh und je. Und Alter schützt vor Torheit nicht, das beweist Klaus Eberhartinger mit gelegentlichem Klamauk, humorvoller Moderation und Texten voller Witz und Ironie, aber auch mit Gefühl und Poesie. Denn die EAV sind nicht nur Comedy-Rocker und Klamauktruppe, sondern politisch und gesellschaftskritisch durchaus engagiert. Das hatte zu Radio-Boykotten in Österreich und Bayern geführt, der Band aber letztlich nicht geschadet – im Gegenteil.

Aber immer noch wird Eberhartinger nicht müde, Politiker anzuprangern: Den „Donald aus Entenhausen im Disneyland“ zum Beispiel, „dem das Stroh durch die Schädeldecke wächst“, ätzt er. Und er lästert über Partnerwahl per Internet oder über Bodybuilder: „harte Muckis, damit die Knie der Mädels weich werden“. Die Szene mit seinem kongenialen Partner Thomas Spitzer zum Thema „Toleranz“ bestimmt ein Sprechgesang mit Vorurteilen gegen „die Schwarzen“, im Vordergrund demonstrativ begleitet vom dunkelhäutigen Alvis Reid am fünfsaitigen E-Bass. Das ist glänzende Satire à la EAV, wie auch Eberhartingers Monolog über eine Epidemie, die in schon mal den 30iger Jahren grassierte und jetzt wieder um sich greift: Eine Seuche sei der „Bazillus Nationalis“, in Fachkreisen der „Nazibazi“ genannt. Der äußere sich „mit einem braunen Ausschlag, der das Hirn angreift, am Ende steht ein brauner Ausfluss“. „Mit anderen Worten - die reden Scheisse“, meint er unter Beifall und Bravorufen der Zuhörer. Prompt folgt der Song „Willkommen im Neandertal“, musikalisch alpenländisch, optisch in stilisierten Lederhosen und der Eberhartinger mit Hirschgeweih. Überhaupt gleicht das Programm eher einem Musiktheater, denn in den von Eberhartinger witzig moderierten Dunkelpausen ändern sich blitzschnell das Bühnenbild und die Kostüme der Band. Hinten auf der Bühne agieren die Roadies und illustrieren die jeweilige Musik, wie auch bei ihrem Stechschritt zum Nazithema.

Thomas Spitzer dagegen vertritt die Abteilung „Rockmusik“ mit überzeugenden Soli auf seiner E-Gitarre, oft zusammen im Duett mit Kurt Keinrath, der die sechs Saiten ebenso effektvoll beherrscht. Mit Aaron Thier an den Drums und Franz Kreiner an den Keyboards ist die Band bestens besetzt, ganz egal, welche Stilart gerade gepflegt wird: Von romantischen Klängen einer Spieluhr bis hin zum brachialen Hardrocksound à la „Rammstein“. Zwischendrin nehmen EAV auch Anleihen bei „STS“ mit dem Megahit „Fürstenfeld“ oder bei Falco mit „Amadeus“, deren Interpretationen beim Publikum bestens ankommen, wie natürlich auch die Millionenseller „Ba-Ba Banküberfall“, „Märchenprinz“, „Küss die Hand, schöne Frau“, „Heisse Nächte“ oder das nach Ansicht von Bayern 3 skandalöse „Burli“. Alles Titel mit Kultstatus und Texten voller Witz und Ironie, die das Publikum mit Inbrunst mitsingt. Ironie auch, als Eberhartinger über den Begriff „Milieu“ sinniert und prompt beim Rotlichtmilieu landet: Das sei gut für die Entwicklung der „Trottoir-Rosen“ aus der Gattung „Nachtschattengewächse“. Stolze zwei Stunden und 40 Minuten dauert das Programm, das die EAV ohne Pause und Ermüdungserscheinungen durchzieht. „Alles ist erlaubt“, lautet das Motto der Abschiedstournee, und deshalb sei es auch erlaubt, sich als Fan mit einem Schmäh à la Österreich zu verabschieden: „Küss die Hand, EAV“!

 

Mit freundlicher Genehmigung des Pfaffenhofener Kurier

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In bester Hardrock-Manier E-Bassist Alvis Reid (von links), Thomas Spitzer und Kurt Keinrath mit ihren E-Gitarren.                                            

Foto: Steininger

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 65 Jahre und kein bisschen leise: Thomas Spitzer, seit 40 Jahren Sologitarrist, Texter, Komponist, Grafiker und Bühnenbildner der EAV.               

Foto Steininger

 

 

 

Eine „Gosch’n“, die sich gewaschen hat: Klaus Eberhartinger in einer Satire über Donald Trump.

 

Foto: Steininger

 

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