Aus der Geschichte der Gemeinde Reichertshausen

779 n. Chr.

Reichertshausen wird erstmals am 16. Juni 779 urkundlich in den Freisinger Traditionen erwähnt, als eine fromme Frau mit Namen Toza auf ihrem eigenen Grund in Richartshusin zu Ehren des hl. Korbinian, des Patrons der Diözese Freising, ein Bethaus (Oratorium) errichtet und dieses mit Gütern ausstattet.

 

11. Jahrhundert

Grossansicht in neuem Fenster: Rathausplatz mit Rathaus in ReichertshausenDas Gebiet an der Ilm zwischen Reichertshausen und Hettenshausen, in dem auch Ilmmünster liegt, war im 11. Jh. in den Händen der Babenberger. Die in diesem Gebiet liegenden Besitzungen des ehemaligen Klosters Ilmmünster, darunter Reichertshausen, wurden, so wird angenommen, durch die Säkularisation des Herzogs Arnulf des „Bösen“ (907 - 937) als Folge der Ungarneinfälle im Osten des Reiches eingezogen und zur Festigung der herzoglichen Gewalt an weltliche Herren als Lehen übergeben. Als Lehensträger erscheint noch 1060 der Babenberger Markgraf Ernst, der Sohn Adalberts, des Markgrafen der Ostmark.
Nachdem der älteste Teil des Schlosses in Reichertshausen mit den dicken Grundmauern aus der 2. Hälfte des 11. Jh. stammt, könnte Markgraf Ernst die erste Burg in Reichertshausen erbaut haben. Freilich hatte diese Burg noch nicht die Ausmaße der heutigen Anlage.

 

12. - 13. Jahrhundert

In der Folgezeit treten nun Herren auf, die sich nach „Reicherts-hausen“ nennen. Ob ein Heriman de Richershusen, der zwischen 1104 und 1137 „all sein Gut zu Richershusen mit Ausnahme von neun Joch Landes“ der Kirche von Freising schenkte, bereits ein Ministeriale dieser Kirche war, ist nicht gesichert.


Ein Ministeriale übte in Vertretung des Herzogs oder auch eines geistlichen Grundherren z. B. eines Klosters auf der Hofmark als dem unteren Verwaltungsbezirk die niedere Gerichtsbarkeit aus. Meist stiegen diese Ministerialen infolge ihres Standes und ihrer Machtbefugnisse in den niederen Adelsstand auf.


Sichere Nachweise über Herrschaften, die sich nach unserem Reichertshausen nennen, finden wir dann Ende des 12. Jh. mit Oulricus Lother de Richershusen, der 1189 dem Kloster Scheyern zwei Höfe in Mitterscheyern übergibt und um 1220 als Zeuge bei einer Schenkung an das gleiche Kloster auftritt.


Um den gleichen Reichertshausener handelt es sich wohl, der um diese Zeit als Oulricus Loter unter den Ministerialen der Freisinger Kirche genannt wird.

 

14. Jahrhundert

Im 14. Jh. sind Schloss und Burgstall in Reichertshausen mit Zugehörungen als Lehen des Hochstifts Freising nachgewiesen.

 

Am 3. November 1334 verkaufte Hofmarksherr Rupprecht von Rei-chertshausen gemeinsam mit seiner Ehefrau und den vier Kindern seinen freieigenen Besitz, und zwar einen Sedlhof, ein größeres Gut der Hofmark, sowie zwei weitere Höfe, die Mühle, die Vogtei zu Salmading, das Gericht und andere zugehörige Güter, Rechte und Leute an Ludwig den Pütreich, Bürger zu München. Der lehenbare Teil, darunter vor allem das Schloss, wird um die gleiche Zeit in den Besitz von Ludwig Pütrich übergegangen sein.

 

Wigiläus Hund zufolge stellte Kaiser Ludwig der Bayer 1347 dem Ludwig Pütrich eine Urkunde aus, die das Privileg zur Ausübung der Hofmarksrechte „in seiner Veste zu Reichertzhawsen“ zum Inhalt hatte.

 

15. Jahrhundert

Diese Rechte bestätigte Kaiser Sigmund 1434 dem Jakob Pütrich aufgrund eines Lehenbuches, in dem Reichertshausen zum Lehenhof Freising gehörig aufgeführt ist. Die Pütrichs waren außerdem Inhaber der Hofmarken Reichertshofen und Baar. Der genannte und 1402 geborene Jakob Pütrich ist der bekannteste des angesehenen Münchner Geschlechts, das das sog. Pütrich Regelhaus, ein Kloster, in München gründete. Ritter Jakob Pütrich machte weite Reisen in die Niederlande, nach Ungarn, Italien und die Lande dazwischen und sammelte eine ziemlich reiche Bibliothek mittelalterlicher Gedichtwerke. Er verfasste in Gedichtform den „Ehrenbrief“, den er der verwitweten Erzherzogin Mechtild von Österreich widmete. Jakob Pütrich gilt deshalb als einer der letzten Minnesänger.

 

Die Pütrichs saßen 160 Jahre lang auf der Hofmark Reicherts-hausen, bis Gamareth Pütrich und seine Frau Magdalena, geborene v. Kamerberg, am 6. Oktober 1497 zunächst die Hälfte ihres Schlosses und der Hofmark mit den darauf lastenden Schulden gegen vier Höfe im Gericht Landsberg an Hans von Pfeffenhausen abtraten. Der Besitz wurde am 18. Juli 1498 auf der Landschranne (Markt und Gerichtstag) zu Pfaffenhofen übereignet.

 

16. Jahrhundert

Die andere Hälfte hat Hans von Pfeffenhausen von Gamareths Bruder Jakob Pütrich am 31. Mai 1502 durch Kauf erworben.

 

Das mächtige Wasserschloss in seiner heutigen Gestalt geht auf die Herren v. Pfeffenhausen zurück, die im 16. Jh. auf Reichertshausen saßen. Der spätgotische Bau inmitten einer großen Parkanlage ist auf versteinerten Eichenpfählen gegründet. Die Drei-Flügel-Anlage wird im Westen durch eine hohe Mauer abgeschlossen, so dass ein Innenhof entsteht. Im Torbogen wurden anlässlich der Außenrenovierung 1979/80 gotische Fresken freigelegt. Zinnen und Türmchen schmücken die Fassaden mit aufgemalter Quaderung am Außenputz. In ihrer Patronatskirche Reichertshausen findet man sehenswerte Epitaphe und Gedenksteine der Familie von Pfeffenhausen.

 

17. Jahrhundert

Nach etwas mehr als 100 Jahren ging die Hofmark 1607 durch Kauf an Hanns Wolf von Weichs zu Steingriff über. Im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstört, wurde das Schloss in der Folgezeit wieder aufgebaut und „mit Ringmauer und tiefem Wassergraben“ umgeben.

 

18. Jahrhundert

Die Hofmarksherren von Weichs waren auf die Erhaltung und Pflege des Schlosses sehr bedacht, wovon heute noch die schöne Schlosskapelle zeugt, welche Joseph von Weichs 1714 zu Ehren der 14 Nothelfer errichten ließ und die Johannes Frhr. von Eckher, Fürstbischof von Freising im gleichen Jahr weihte. In mehreren Zimmern sind noch kunstvolle Stuckdecken mit Wappen der Herren v. Weichs zu sehen. Das Schloss hatte von 1716 bis 1758 eigene Kapläne.


In einem Vertrag vom 30. März 1776 vermachte Maximilian Karl Adam v. Weichs für die Zeit nach seinem Tode - er hatte nur zwei Töchter und keinen männlichen Erben - die Hofmark dem Liebfrauenstift zu München, dem auch die Hofmark Ilmmünster bis zur Säkularisation zugehörte. Durch den Vertrag ging die unmittelbare Herrschaft auf das Liebfrauenstift über und schon am 1. Mai 1776 wurde der Freisinger Lehensbrief über Reichertshausen auf den Kanonikus Franz Xaver Ritter und Edlen von Kreitmayer ausgestellt. Frhr. v. Weichs behielt sich jedoch auf Lebenszeit die Nutznießung aller Einkünfte und die Jurisdiktion vor.


Der Kaufpreis sollte erst nach seinem Tode festgelegt werden, davon aber Schulden in einer Summe von 18 - 20.000 Gulden als Vorschuss bezahlt werden. Allein nach dem Tode des Frhr. v. Weichs erklärte Kurfürst Karl Theodor am 31. Januar 1785 dem Liebfrauenstift in München, dass „die so voreilig als eigenmächtig ergriffene Possession (Aneignung)“ nicht rechtens sei. Durch einen Schiedsspruch und gegen Rückzahlung von 24.000 Gulden kamen die Erben des Frhr. Maximilian v. Weichs wieder in Besitz von Reichertshausen. Die Töchter teilten ihr Erbe in einem Vertrag am 14. Januar 1786. Reichertshausen erhielt die mit Karl Wilhelm v. Vequel verheiratete Maria Josepha, während der unverheirateten Schwester Magdalena, Freiin v. Weichs, die Hofmark Steingriff und Sitz Wörth zufiel. Nach dem Tode des Frhr. v. Vequel erbten gegen Ende des 18. Jh. dessen zwei Töchter die Hofmark.

 

19. Jahrhundert

Maria Theresia v. Vequel heiratete den Pfaffenhofener Landrichter Johann Baptist Reingruber, der 1818 in den Freiherrnstand erhoben wurde. Ihre Schwester Maria Josepha Gräfin Porcia kam schließlich in den Alleinbesitz der Hofmark Reichertshausen. Deren Tochter Amalia ehelichte im Jahre 1840 Maximilian Jospeh v. Cetto (1816 - 1873).


Unter ihm wurden 1848 durch eine königliche Verordnung die Hofmarksrechte aufgehoben. Damit waren die Leute von Reichertshausen keine Hofmarksuntertanen mehr und frei von Abgaben. Maximilians Sohn Dr. Ing. h. c. Karl Theodor v. Cetto war vermählt mit Jenny Wilhelmine Mejo aus Braunschweig.

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